Die
Sieger im Wettbewerb um den 20. Deutsch-Polnischen
Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis sind heute auf einer Festveranstaltung im
Rahmen der 10. Deutsch-Polnischen Medientage im Winny Dworek in Górzykowo bei Zielona
Gora (Grünberg) geehrt worden.
Der
erste Platz in der Kategorie Print ging an Rainer Schulze für seinen
Beitrag „Der zerbrochene Spiegel“ in der „FAZ / Rhein-Main“.
In der
Kategorie Hörfunk setzte sich Dr. Conrad Lay mit seinem Feature „Eine
Stadt, die sich nicht mehr fremd ist, Breslau/Wroclaw: Drei Generationen
erzählen“, erschienen im SWR2, Literatur und Feature, durch.
In der
Kategorie Fernsehen gewann der Beitrag von Dagmar Wittmers „Als
Zwangsarbeiter auf dem Lande schuften“ vom NDR Kultur und
Dokumentationen / Dokumentation & Reportage.
Den
Sonderpreis „Journalismus in der Grenzregion“, gestiftet durch die Woiwodschaft
Lebuser Land als Gastgeber der Medientage, ging an Monika Iłowska-Walkowiak für
den Hörfunkbeitrag „Chodzą ulicami ludzie…“ von Radio Zachód S.A.,
Kultura.
Die
Marschallin der Woiwodschaft Lebuser Land und Gastgeberin der Medientage Elżbieta
Anna Polak: „Der Journalismus gehört zu den Aktivitäten, die eine besondere
Bedeutung für die Demokratie haben, aber auch für die Beseitigung von
Vorurteilen, Misstrauen und negativen Stereotypen. Die deutsch-polnische
Geschichte war nicht immer einfach und angenehm, aber innerhalb der letzten 27
Jahre, also im freien Polen, ist es gelungen, viele schwierige Dinge unserer
gemeinsamen Geschichte sachlich zu klären, was in hohem Maße einem soliden und
ehrlichen Journalismus auf beiden Seiten zu verdanken ist.“
Die Laudationes
für die Preisträger wurden von Mitgliedern der Jury gehalten. In seiner Laudatio
für den Preisträger Rainer Schulze unterstrich das Jurymitglied
Dietrich Schröder: „[…] Vielleicht ist
es die besondere Stärke dieses Beitrags, dass er von einem Autoren geschrieben
wurde, der sich hauptsächlich mit einem ganz anderem Thema – der Stadtplanung
und Architektur in Frankfurt/Main – beschäftigt. Seine Darstellung wirkt gerade deshalb so überzeugend, weil sie
sowohl aus klaren Aussagen der zu Wort kommenden Personen besteht, wie auch von
einer Grundsympathie getragen ist, die der Autor gegenüber dem Nachbarland und
seinen Menschen empfindet. Im Hintergrund schwingt zudem der Gedanke daran mit,
dass auch in anderen europäischen Ländern und in Deutschland selbst immer mehr
Menschen eine kritische Haltung zur EU in ihrer gegenwärtigen Form einnehmen.“
Für die
Kategorie Hörfunk betonte Dorota Zyń-Horbaczewska, es sei „eine außergewöhnliche Kunst, die Geschichte
von Generationen als erzählerische Großaufnahme zu zeigen. Conrad Lay
hat aus Einzelheiten den Grundstoff dieser Erzählungen gewoben. Einzelheiten
sind dem Menschen wie auf den Leib geschneidert, denn sie ermöglichen es ihm,
die Wahrheit zu erkennen. Der Autor geht tief unter die Oberfläche der
Ereignisse und deckt eine schwierige, von Geistern der Vergangenheit
gekennzeichnete Geschichte der Stadt Wrocław auf, die mit den verwickelten
Schicksalen der Wandernden aus Ost und West zusammenhängen. “
Als
besondere Stärke des Beitrags von Dagmar Wittmers wies die Jurorin Bogna
Koreng auf die umfangreiche und tiefgründige Recherche, einem sensiblen und
respektvollen Umgang mit Opfern und den Nachkommen der Täter hin. „Es sind nicht die großen politischen
Ereignisse, die rhetorisch starken Reden. Es sind die leisen Töne, die kleinen
Umarmungen, die stillen Begegnungen, die bewegen. Sie schaffen ein
Spannungsfeld zwischen individuell Erlebtem und politisch historisch Belegtem.
Eine Geschichtsaufarbeitung mit klarer und doch sensibler Handschrift, sie
dokumentieren das Aufeinanderzugehen nach so vielen Jahrzehnten, schaffen
Zwischenräume, um über die Gegenwart nachzudenken.“
Jürgen
Hingst, Juror für die Kategorie
Hörfunk, betonte, dass die „Originalton Kollage“ den Jurymitgliedern an der
Arbeit von Monika Iłowska-Walkowiak besonders gefiel. „Das Zusammenführen unterschiedlicher
Standpunkte, verschiedener Sichtweisen, die aus sich selber heraus sprechen,
manchmal auch lang und widersprüchlich, aber immer authentisch sind. Es gibt nicht mehr viele Sendungen dieser Art
in der heutigen Radiolandschaft – aber hier zeigt sich doch eigentlich eine
Stärke des Hörfunks – nämlich zuzuhören, was sagen die Leute auf der Straße,
was sagen Kommunalpolitiker, was sagen Hochschullangehörige und Studenten zu
der Frage, wie sollen wir umgehen mit Migration, mit Flucht, mit kultureller Andersartigkeit.
Die Antworten sind so unterschiedlich wie die Haltungen der Leute“.
Es war
die 20. Auflage des Deutsch-Polnischen Journalistenpreises, der seit
Dezember 2013 in Anerkennung der journalistischen Tätigkeit des im
Oktober desselben Jahres verstorbenen Publizisten, Bürgerrechtlers und
ersten demokratisch gewählten Premiers Polens nach der Wende den Namen „Tadeusz
Mazowiecki“ trägt. Insgesamt wurden 133
Einsendungen eingereicht. 24 Beiträge waren in den vier Kategorien nominiert.
Der Preis ist jeweils mit 5.000 Euro dotiert.
Der
Deutsch-Polnische Journalistenpreis wird von den Bundesländern Brandenburg,
Mecklenburg-Vorpommern, dem Freistaat Sachsen, den drei Woiwodschaften Lebuser
Land, Niederschlesien und Westpommern sowie der Stiftung für deutsch-polnische
Zusammenarbeit und der Robert Bosch Stiftung gestiftet. Die Gewinner wurden im
Rahmen der 10. Deutsch-Polnischen Medientage gekürt, die am 31. Mai – 1. Juni in
Zielona Góra (Grünberg) stattfanden. Die Medientage diskutierten in diesem Jahr
das Thema „Neue politische Realität – Folgen für die deutsch-polnischen
Beziehungen“.
Weitere Informationen zu den Medientagen und der festlichen Preisverleihung
unter www.medientage.org.
Kontakt:
Magdalena
Przedmojska
Projektkoordinatorin
Stiftung
für deutsch-polnische Zusammenarbeit
ul. Zielna 37, 00-108 Warszawa
Tel.: +48 (22) 338 62 73
Fax: +48 (22) 338 62 01
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