Von der akademischen Zusammenarbeit zur europäischen Partnerschaft. Warschau-Berlin aus der Sicht von Studierenden

Wiktoria Michalina Hołda | An einem Tisch, über Landkarten und Entwürfen gebeugt, lernten Studierende aus Warschau und Berlin nicht nur Stadtplanung, sondern auch Zusammenarbeit, was die deutsch-polnischen Beziehungen stärken kann. Der Warsaw-Berlin Workshop 2025 hat gezeigt, dass eine akademische Begegnung junger Menschen aus verschiedenen Ländern zu einem Raum für Erfahrungsaustausch, Vertrauensaufbau und die gemeinsame Suche nach Antworten auf die Herausforderungen moderner Städte werden kann.

Entsteht die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen ausschließlich in den Büros von Politikern und in Konferenzräumen? Nicht unbedingt. Manchmal beginnt sie bei der gemeinsamen Arbeit von Studierenden, die trotz unterschiedlicher Sprachen, Erfahrungen und Perspektiven versuchen, ähnliche Fragen zu beantworten: Wie lässt sich ein besserer Lebensraum gestalten, wie lässt sich die Stadtentwicklung mit den Bedürfnissen der Bewohner in Einklang bringen und wie kann man in diesem Bereich grenzüberschreitend zusammenarbeiten? Nach Antworten darauf suchten die Teilnehmenden des deutsch-polnischen studentischen Warsaw-Berlin Workshops 2025.

Der Warsaw-Berlin Workshop 2025 gehört zu den am längsten bestehenden deutsch-polnischen akademischen Initiativen im Bereich Stadt- und Raumplanung. Seit über 30 Jahren werden die Workshops vom Institut für Stadt- und Regionalplanung der Technischen Universität Berlin und dem Fachbereich für Architektur der Technischen Universität Warschau organisiert. Das Projekt folgt einem abwechselnden Format – in den jeweiligen Jahren arbeiten die Teilnehmenden an Themen, die Warschau bzw. Berlin betreffen.

Die diesjährige Auflage mit dem Titel „Fasanenplatz Rework: Dense Infill Redevelopment and Green-based Climate Adaptation for a Livable Urban Neighborhood“ („Fasanenplatz Rework: Bebauungsverdichtung und grüne Klimaanpassung für ein lebenswertes Stadtviertel“), widmete sich der Suche nach Wegen der Stadtentwicklung, die die Notwendigkeit einer intensiveren Raumnutzung mit dem Schutz von Klima und Lebensqualität der Bewohner verbinden.

Für die fachliche Vorbereitung des Projekts waren Prof. Dr. Jan Polívka und Marion De Simone von der Technischen Universität Berlin sowie seitens der Technischen Universität Warschau die Architekten Mikołaj Gomółka und Leszek Wiśniewski verantwortlich. Die Workshops wurden seitens der Technischen Universität Warschau im Rahmen des Lehrstuhls für Stadtplanung und Stadtsanierung durchgeführt.

Am Projekt nahmen 24 Studierende teil12 Masterstudierende der Fachrichtungen Urban Design sowie Stadt- und Regionalplanung Planning an der TU Berlin und 12 Bachelorstudierende der Fakultät für Architektur der Technischen Universität Warschau.

Stadt und Land – eine Beziehung, kein Gegensatz

Obwohl sich das diesjährige Thema der Workshops in erster Linie mit der Transformation des städtischen Gefüges und der Klimaanpassung befasste, wurden in den Diskussionen auch umfassendere Überlegungen zu den Beziehungen zwischen Stadt und ländlichen Gebieten sowie zu Möglichkeiten der Stadtentwicklung ohne den Verlust der Identität von Orten und Gemeinschaften angestellt.

In den Gesprächen tauchten Fragen auf, was ländliche Gebiete den heutigen Metropolen bieten können und wie die Raumplanung so gestaltet werden kann, dass wachsende Städte die umliegenden Ortschaften nicht verschlingen, sondern sie unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit integrieren.

An den Diskussionen nahm auch Małgorzata Jaszczur teil, eine Vertreterin der Initiative „Wieś Warszawy“ („Warschaus Dorf“), die den Teilnehmenden die Perspektive der Bewohner von Gebieten an der Schnittstelle zwischen Stadt und Land näherbrachte.

Lernen durch Zusammenarbeit und Begegnung

Eines der wichtigsten Elemente des Programms war die Arbeit in internationalen Teams. Die Organisatoren setzen seit Jahren auf die direkte Zusammenarbeit von Studierenden aus Deutschland und Polen und betrachten diese als integralen Bestandteil des Lehrprozesses.

Wie Falk, einer der Teilnehmer des Workshops von der TU Berlin, betonte, bestehe das Hauptziel des Projekts nicht nur in der Wissensverbreitung, sondern auch in der Möglichkeit, eine persönliche Perspektive zu gewinnen, die untersuchten Strukturen besser zu verstehen und Erfahrungen auszutauschen. Besonders wertvoll sei für ihn gewesen, dass die Teilnehmenden nicht vom Ort und seinen Bewohnern isoliert seien, sondern die Möglichkeit hätten, direkte Beziehungen sowohl untereinander als auch zur lokalen Gemeinschaft aufzubauen. Seiner Meinung nach verleihe gerade diese persönliche Dimension der Begegnung den Workshops einen besonderen Wert. Er fügte noch hinzu, dass die am Projekt Beteiligten motiviert seien, um aktiv zu werden und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Eine ähnliche Bedeutung maß Jonas, ein weiterer Teilnehmende von der TU Berlin, der direkten Erfahrung des Ortes bei. Er wies auf die Notwendigkeit hin, die älteren Schichten der Stadt zu entdecken und die bestehenden räumlichen Strukturen zu verstehen. Seiner Meinung nach sei die Frage besonders wichtig, wie man das bestehende Stadtgefüge umgestalten könne, ohne dessen Charakter und das Gedächtnis des Ortes zu verlieren.

Hochschulen als Raum für neue Ideen

Der Warsaw-Berlin Workshop 2025 hat gezeigt, dass Universitäten mehr sein können als nur Orte der Wissensvermittlung. Dank der akademischen Freiheit werden sie zu einem Raum, in dem nach neuen Lösungen gesucht und eine Debatte über die Herausforderungen angestoßen wird, vor denen moderne Städte und Regionen stehen.

Der Workshop war nicht nur ein Bildungsprojekt, sondern auch eine Erfahrung: wie man Beziehungen aufbaut, gegenseitig voneinander lernt und nach gemeinsamen Antworten auf Fragen sucht, die immer häufiger eine europäische Dimension haben. Vielleicht beginnt gerade deshalb die Zukunft der deutsch-polnischen Beziehungen nicht nur in Institutionen und politischen Foren, sondern auch an Hochschulen – dort, wo junge Menschen lernen, grenzüberschreitend zusammenzuarbeiten.

Das Projekt wurde von der Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit mitfinanziert.