17. Tagung des Arbeitskreises deutscher und polnischer Kunsthistoriker und Denkmalpfleger


26.09.2009 – 29.09.2009
Stettin

Das Verlangen, dem Alltag zu entfliehen und in der Natur Entspannung zu finden, ist ein Phänomen aller städtischen Kulturen von der Antike bis zur Gegenwart. War die „Stadtflucht” in Landvillen und Sommerresidenzen lange Zeit ein Privileg des Adels oder des Patriziats der Städte, so setzte im 19. Jahrhunderts die Verbürgerlichung der „Sommerfrische” ein.

In Kur- und Badeorten entwickelten sich spezifische Architekturtypen, die den Bedürfnissen und Erwartungen der Erholungssuchenden entsprachen. Jenseits des Kanons der Kunstakademien suchten Maler auf dem Lande nach neuen Inspirationen. Die bäuerliche Kultur und Baukunst wurde zum Inbegriff „nationaler” Ausdrucksformen – die Landhäuser für eine bürgerliche Klientel in den grünen Vororten wurden nach ihrem Vorbild gestaltet. Gartenstädte und später die durchgrünten Siedlungen der 1920er Jahre sollten schließlich auch für Arbeiter grüne Oasen am Rande Großstadt schaffen.

Der regionale Schwerpunkt der Konferenz liegt auf dem Gebiet des gemeinsamen Kulturerbes von Polen und Deutschen (d. h. den historischen deutschen Ostprovinzen, die heute den Nord- und Westteil Polens bilden)

Programm:

Freitag, 25.09. 2009

(Hotel Focus, Malopolska Strasse 23)

14.30 Uhr Eröffnung der Tagung:

Piotr Krzystek, Präsident der Stadt Szczecin,

Prof. Andrzej Tomaszewski, Prof. Dethard von Winterfeld

15.00 – 18.30 Uhr

I. Villegiaturen: Landvillen – Sommerresidenzen – Jagdschlösschen in der Neuzeit (16.–18. Jh.)

Sektionsleitung: Wojciech Balus

Isabella Woldt: Die sogenannte „polnische Villa” und ihre Rezeption in Ost- und Westpreußen im Barockzeitalter.

Tomasz Torbus: Für wen baute Graf Heinrich Brühl die Landschlösser in Pförten (Brody) und Nischwitz?

16.00–16.15 Uhr Kaffeepause

Ines Christine Elsner: Die Jagdschlösser der Berliner Residenzlandschaft Friedrichs III./I. (1688-1713) im Oderbruch und in der Neumark.

Wojciech Brzezowski: „Ordnung, Fleiß, Natur und Kunst”. Die Hirschberger Gärten im 18. Jahrhundert.

Malgorzata Buchholz-Todoroska: Zopot als Refugium der Danziger in der Neuzeit (17. bis Ende 19. Jh.)

19.00 Uhr Abendvortrag

Stefan Muthesius: Englische Haustypen im mitteleuropäischen Blickwinkel vor 1914

Samstag, 26.09.2009

(Stadtratsaal in der Stadtverwaltung Szczecin, Platz Armii Krajowej1)

9.00–13.00 Uhr

II. Architektur und Kunst der Erholungsorte:

Kurorte – Seebäder – Wintersportorte vom 18. Jh. bis in die Gegenwart

Sektionsleitung: Ulrich Schaaf

Dominik Ziarkowski: Ojców as a retreat for Warsaw’ s dwellers in the period of the Kingdom of Poland (1815-1914)

Marta Ostrowska: Der Kurort Bad Flinsberg (Swieradów Zdrój) und sein Hauptarchitekt Karl Grosser.

Joanna Kaszubowska: Cadinen – the Model Estate of Emperor William II.

10.30-10.45 Uhr Kaffeepause

Malgorzata Omilanowska: Holzarchitektur der Ostseebäder im Rahmen des Firmenangebotes der Wolgaster Actien-Gesellschaft.

Steffi Kuthe: Sommer- und Ferienhäuser aus dem Wettbewerb der Woche.

Iris Meder: Weekendhaus-Kolonien rund um Wien.

13.00–14.00 Uhr Mittagessen /Catering

14.00–15.30 Uhr

Sektion II – 2 Teil

Sektionsleitung: Ewa Chojecka

Anna Perz: Die Paul-Beneke-Jugendherberge in Danzig.

Sabine Ambrosius/Gabriele Horn: Aufbruch in die Sommerfrische auf Staats-, Aktien- und Privatchausseen. Veränderungen der städtebaulichen Entwicklung und Kulturlandschaft durch die Modernisierung des Straßenwesens in der ehemaligen Provinz Brandenburg.

Birte Pusback: „Der Anblick dieser wunderschönen, schrecklichen Natur…” Reisende Polen unterwegs in der Schweiz.

15.30–15.45 Uhr Kaffeepause

15.45–17.15 Uhr

Sektion III: Künstlerkolonien – Ländliche Idylle und Dorfleben als alternativer Lebensentwurf

Ksenia Stanicka Brzezicka: Fluchten von Wanda Bibrowicz. Die Weberin in Schreiberhau (Szklarska Poreba) 1911-1919.

Franziska Siedler: Raus aus Berlin. Künstler suchten das Weite in Chorin und Ahrenshoop.

Agata Rome-Dzida : Hermann Hendrichs Sagenhalle – die materielle Ausprägung der ideellen und ästhetischen Ansprüche der ersten Künstler-Kolonie im Riesengebirge

17.15 –19.30 Uhr

Spaziergang ins Stettiner Westend (Malgorzata Gwiazdowska), auf dem Rückweg Besichtigung der Kirchen St. Jakobi und St. Johannes (Dethard von Winterfeld)

19.30 – 20.15 Uhr

Buchvorstellung im Alten Rathaus: Birte Pusback, Andrea Langer

20.15 Empfang im Alten Rathaus mit Lech Karwowski, dem Direktor des Nationalmuseums in Szczecin

Sonntag, 27.09.2009

(Hotel Focus, ul. Malopolska 23)

9.00–11.30 Uhr

Sektion IV: Grüne Oasen am Rande der Großstadt: Landhauskolonien – Gartenstädte – grüne Siedlungen

Teil 1

Sektionsleitung: Michal Wozniak

Sibylle Badstübner-Gröger: 100 Jahre Gartenstadt Hellerau 1909-2009

Agata Gabis: Gartenstadt Carlowitz

Lorenz Frank/Kai Kappel: Von der Wirkungskraft siedlungspolitischer Visionen. Die Gartenstadt Wroclaw-Sepolno / Breslau-Zimpel

Rafal Ocheduszko: „Felsenbastion” – die Villa des Architekten Adolf Szyszko-Bohusz in Krakau-Przegorzaly (1928–1929)

Irma Kozina: Villegaturen heute – Villen als aktuelle Bauaufgabe

11.30 – 12.00 Kaffeepause

12.00.–19.00 Uhr Exkursion

Misdroy (Miedzyzdroje) – Führung Barbara Ochendowska-Grzelak

19.30 Uhr Abendessen auf dem Schiff „Ladoga”

Montag, 28.09.2009

(Hotel Focus, ul. Malopolska 23)

9.00–11.00 Uhr

Sektion IV: Grüne Oasen am Rande der Großstadt: Landhauskolonien – Gartenstädte – grüne Siedlungen

Teil 2

Sektionsleitung: Jerzy Ilkosz

Marzanna Jagiello- Kolaczyk: Breslauer Etablissements. Nach dem Suchen Natur und Vergnügen.

Ewa Gwiazdowska: Von Spaziergängen auf den Stadtäckern zu Salongesprächen in den Villen. Darstellungen der Stettiner in der Natur (um 1790 – 1890)

Hanna Grzeszczuk-Brendel: Vor der Stadt oder außerhalb der Stadt.

Piotr Korduba: Solacz – 100 Jahre Leben in einem ehemaligen Villenbezirk Posens

11.00–11.30 Kaffeepause

11.30–13.00 Infobörse:

Leitung: Beate Störtkuhl

Monika Luczkowska: Karpacz as the most important mountain resort in Silesia

Szymon Piotr Kubiak: Kiekrz bei Posen in der Zwischenkriegszeit und ein früher Entwurf von

Maciej Nowicki

Malgorzata Gwiazdowska: Renovierungsarbeiten an der gotischen St. Johann-Evangelist-Kirche in Stettin im 19. und 20. Jahrhundert.

Dariusz Kacprzak: Die Kunstsammlungen der Lodzer Fabrikanten Ende des 19. und im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts – ein Beitrag zur ästhetischen Geschmacksbildung

Christofer Herrmann: Mittelalterliche Architektur von der Oder zur Weichsel. Kompendium zur romanischen und gotischen Baukunst in Polen

Dietmar Popp: Der Dehio Polen: Vom Handbuch zum Online-Informationssystem der Kunstdenkmäler in Polen. Grundlagenforschung im deutsch-polnischen Netzwerk

Agnieszka Gasior: „Maria in der Krise” – gesellschaftspolitische Instrumentalisierung einer religiösen Symbolfigur zur Zeit der Konfessionalisierung und im postkommunistischen Transformationsprozess in Ostmitteleuropa

13. 00 Abschlussdiskussion

Ort: Stettin (Szczecin) | 26 – 29.9 | link