Die
Feststellung, dass Zusammenarbeit gegenseitiges Verständnis und
Perspektivübernahme erfordert, mag als Binsenweisheit angesehen werden. Sie
gerät jedoch in der heutigen Welt, in der die gegenseitige Kommunikation eher
aus einem reinen Informationsaustausch über soziale Medien besteht und auf
schwierige Fragen einfache Antworten gegeben werden, häufig in Vergessenheit
und ihre praktische Umsetzung gestaltet sich als sehr schwierig. Mit nur
wenigen Informationen und beinahe ohne Vorstellungsvermögen darüber, was sich
hinter der Geschichte und den Erfahrungen unserer Kommunikationspartner*innen
verbirgt, beurteilen wir diese auf Basis unserer eigenen Kategorien und
bewerten ihr Verhalten gemäß für uns gängiger Logiken, gleichsam als Objekte
unserer fortschreitenden Denkschemata. So sehr wie das Verständnis der
Geschichte und des Weltbildes einer anderen Person sich auf der Ebene
persönlicher Kontakte als ein langer Prozess darstellen kann, der von beiden
Seiten Anstrengungen erfordert, aber realisierbar ist, so sehr vergrößern sich
die Komplexität dieses Prozesses und die für ihn erforderlichen viel größeren
Engagements aller Beteiligten, der Politiker*innen und Wissenschaftler*innen,
aber auch aller Bürger*innen, wenn man diese Perspektive auf die Ebene der
Verständnisses zwischen gesellschaftlichen Gruppen oder Völkern hebt. Polen und
Deutschland sind direkte Nachbarländer. Obwohl sie sich geographisch und
kulturell sehr nah sind, begegnen sich Polen und Deutsche mit Distanz und
erscheinen gegenüber einander vorsichtig. In den vergangenen Jahrzehnten sind
viele Menschen über die Oder gereist, um ihr jeweiliges Nachbarland zu
besuchen, und haben so einen wichtigen Schritt in Richtung eines besseren
Kennenlernens unternommen. Sie besuchen Sehenswürdigkeiten und touristische
Attraktionen, probieren traditionelle Speisen und Getränke. Aber reicht dies
aus, um die Nachbar*innen dadurch wirklich zu verstehen? Unser Projekt setzt
sich zum Ziel, einen Schritt weiter zu gehen. Wir würden gern mit einer Gruppe
polnischer und deutscher Musiker*innen eine Reise an die Quellen gemeinsamen
Verständnisses unternehmen. In dem gemeinsamen Workshop zu den Themen
historische Empathie und Empathie in der zwischenmenschlichen Kommunikation
möchten wir die Sensibilität der jungen Musiker*innen für gegenseitiges
Verständnis fördern sowie ihre Empfindsamkeit für Probleme und Grenzen gegenseitiger
Kommunikation stärken. Beim gemeinsamen Proben und Musizieren werden die jungen
Teilnehmenden dann auch ganz praktisch erfahren können, was Vertrauen bedeutet
und wie schwierig, aber gleichzeitig wunderschön es sein kann, zusammen zu
arbeiten. Die jungen Musiker*innen werden während des KONZERTS (6.10.2018 um
19:00 in Magdalenenkirche in Wrocław; Eintritt frei) ein starkes Zeichen des
Friedens aussenden, sodass ihr Publikum und wir alle daran erinnert werden,
dass das, was uns verbindet, größer ist als das, was uns trennt und dass
gegenseitiges Vertrauen, obwohl schwierig erreichbar, möglich ist. Wir glauben,
dass Musik eine geeignete Ebene ist, um diese Botschaft zu übermitteln, weil
sie die Fähigkeit besitzt, Menschen miteinander zu verbinden, die nicht
dieselbe Sprache sprechen, aber die gleiche musikalische verwenden