Polinnen in der Zwangsarbeit im Dritten Reich – eine weibliche Perspektive
Eine Zwischenbilanz Stettiner Recherchen
Das Dritte Reich, das Hitler als Großgermanisches Reich Deutscher Nation definierte,
und das sich auf Rassenwahn, militärische Überlegenheit und grenzenlose Verachtung
gegenüber anderer Völkern stütze, erschuf ein Sklavensystem in antikem Ausmaße.
Juden und Slawen standen in der Verachtungshierarchie dabei auf der niedrigsten Stufe.
Vor allem Polen und die westliche Gebiete der Sowjetunion wurden zu einem gigantischen
Reservoir der Arbeitskräfte. Die Verankerung der Problematik der Zwangsarbeit
von Polinnen und Polen im historischen Bewusstsein der Gesellschaft bleibt nach wie
vor ein Desiderat. Aus diesem Grund wagte sich der Lehrstuhl für Deutschlandkunde
der Universität Stettin in Kooperation mit dem Stettiner Staatsarchiv an eine Annäherung
an die Thematik mit dem Projekt »Die Zwangsarbeit in Pommern in den
Erinnerungen von Polen und Deutschen«.
Der Wunsch, insbesondere die weiblichen
ehemaligen Zwangsarbeiter auf ihre Vergangenheitswahrnehmung anzusprechen, resultierte
aus der traurigen Feststellung, dass es vor allem Männer waren, die die Geschichte
schrieben und aus der Tatsache, dass aber das schwächere Geschlecht auf besonders tief
erlebte Weise den Ängsten und körperlichen Leiden der Zwangsarbeit ausgesetzt war.
Włodzimierz Stępiński, geb. am 15. April 1949 in Warschau, Studium der Geschichte
am Seminar von Gerard Labuda, zahlreiche Veröffentlichungen mir Schwerpunkten
Regionalgeschichte [ Wirtschafts,- und Sozialgeschichte, Wissenschaftsgeschichte,
Ideengeschichte ] in Pommern des 19. und 20. Jahrhunderts.