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Der Klang der Erde – ein Bericht von Agnieszka Kaniewska

Das Performance-Konzert Geo sound future entstand, um eine musikalische Interpretation der Erdgeschichte zu zeigen. Die aufgeschriebene Geschichte beginnt vor 50 Mio. Jahren mit den ersten Kohleablagerungen im Eozän und endet in unserer Zukunft. Wie die Erde dann aussehen wird, versuchten Schüler aus deutschen und polnischen Schulen in eine Partitur zu übertragen.

Fünfzig Schüler aus Deutschland und Polen nahmen an dem Projekt teil; die meisten wohnen in Sachsen und Südpolen, in der Nähe von Kohlebergwerken, und sehen die bergige Landschaft jeden Tag. Sie sollten überlegen, was Kohle ist, welche biologischen und chemischen Prozesse die letzten 50 Mio. Jahre stattgefunden haben mussten, vom ersten Moment der Entstehung der Kohle, und dieses Wissen und ihre Überlegungen dann in Musik übertragen. Es entstand eine Internetkomposition, die eine musikalische Aufzeichnung der geologischen Geschichte der Erde ist. Sie wurde nicht nur von den Schülern und begleitenden Lehrern geschaffen, sondern auch von Internetnutzern. Junge Musiker trafen sich ein Jahr lang in kleinen Gruppen von etwa fünf Personen und schufen kurze Werke, wie z.B. Elements, die später auf dem Konzert der Schüler im Krakauer Theater Nowa Łaźnia gespielt wurden. Es unterstützte sie das Mendelssohn Kammerorchester Leipzig unter der Leitung von Barbara Rucha. Fünf mehrminütige Stücke über Visionen der modernen Welt wurden vorgestellt, geschrieben von einer Gruppe von Komponisten aus Markkleeberg, Krakau, Dresden, Görlitz und Leipzig.

Inspiriert worden, die Töne der Natur in Noten zu übertragen, waren die Schüler durch einen Vortrag von Felix Ekardt über den Zusammenhang von Klimawandel, Lebensstil und Wirtschaft. Sie lernten auch das breite Spektrum an Geräuschen, die in einem Kohlekraftwerk entstehen, kennen: Maschinenlärm, das Rattern der Bänder, das Rauschen des Wassers im Kühlturm. Diese industriellen Klänge waren im Konzert deutlich zu hören, sie wurden oft mit unkonventionellen Instrumenten erzeugt, z.B. einer Plastikflasche oder einem Besen. Die Mehrzahl der Stücke vibrierte vor Unruhe, es quietschte und piepste, doch trotzdem passte alles mit den klassischen Kompositionen zusammen, die vom Leipziger Orchester gespielt wurden.

Das Konzert war eine Art mehrdimensionale Performance, bei dem neben der Musik auch Licht und Farbe eine wichtige Rolle spielten. Die musikalischen Einheiten waren mit kurzen Inszenierungen zu ökologischen Themen in Form von Pantomime und Monodramen durchsetzt. Die Schüler stellten sich jedoch weder auf die Seite der Ökologen noch der Befürworter einer schnellen Industrialisierung der Städte, sie zeigten nur mögliche Wege auf. Im ganzen Projekt – obwohl es der ökologischen Bildung dienen sollte – war keine aufdringliche Agitation für eine „grüne“ Lösung feststellbar.

Die Zuschauer, in weißer Kleidung, die die unverschmutzte Welt der Zukunft symbolisierte, saßen mit den Musikern gemeinsam in einem offenen Raum. Ausgestattet mit alternativen Instrumenten konnten sie die Klänge der Zukunft mitgestalten. Im Saal befanden sich auch drei schwarze Säulen, an denen man die eigene Vorstellung von der Zukunft mithilfe von Kleiderbügeln, Büroklammern und Draht hinterlassen konnte. Das Projekt lief von November 2012 bis Mai 2014. Es wurde finanziell unter anderem von Europa fördert Sachsen, der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit und dem Polnischen Institut Leipzig unterstützt. Die Schüler nahmen an wöchentlichem Unterricht teil und trafen sich zu sieben gemeinsamen Workshops. Die Ergebnisse ihrer Arbeit, Fotos, Audiodateien und eine Videodokumentation kann man auf der Internetseite www.geo-sounds.de erleben.

Agnieszka Kaniewska, aus dem Polnischen von Marlena Breuer